
Ich weiss nicht, ob ich je eine Fotografin werde, denn fürs Fotografieren und vor allem auch für die Nachbearbeitung der gemachten Bilder braucht es ganz schön viel Geduld – und die habe ich nicht.
Aber nun ganz von vorne. Im 2. Semester des 2JahresVorKurses der Schule für Gestaltung in Bern (SFGB) hatten wir den Kurs Fotografie. Sabine Hess, unsere Dozentin, hat uns auf spielerische und charmante Weise die anfänglichen Hürden beim Umgang mit Spiegelreflex- und spiegellosen Systemkameras genommen.
Ab diesem Zeitpunkt war der iA-Modus (intelligente Automatik) tabu. Stattdessen arbeiteten wir ausschliesslich im M-Modus (manueller Modus) und lernten, mit Blende, ISO-Wert und Belichtungszeit zu jonglieren. In spannenden und oft herausfordernden Übungen versuchten wir, die Welt bewusst abzubilden. Und wenn das Ergebnis nicht ganz unseren Vorstellungen entsprach, lernten wir, das Schöne und Künstlerische darin zu erkennen. Genau das eröffnete neue Perspektiven und erweiterte unseren gestalterischen Spielraum. Denn Perfektion ist oft weniger spannend als der Mut zum Experiment.
So kam es, dass ich diesen Frühling meine Sony Alpha NEX-6 (Systemkamera) nach 13 Jahren aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt habe. Die Freude darüber war gross, denn plötzlich machte mein damaliger Kauf endlich Sinn. Der Plan im Jahr 2013 war, mit der NEX die entworfenen Prêt Pour Moi-Produkte selbst zu fotografieren, um sie auf der Website anzupreisen. Ich merkte jedoch schnell, dass Produktfotografie sehr viel Geduld und Expert:innenwissen erfordert. Da habe ich relativ schnell resigniert.
Ich hatte aber auch sehr viel Glück. Eine sehr gute Freundin, Tamara Janes, gesegnet mit viel Fotowissen, hat über viele Jahre meine Accessoires fotografiert – manchmal im Studio, oft draussen, meist in Bern. Und oft war auch ich das Modell. Das war immer ein Spass – danke, Tamara!
Zurück zum Fotokurs. Gegen Ende unseres Kurses durften wir unser eigenes Fotoprojekt wählen. Mich hat das Thema Stillleben fasziniert.

Inspiriert von Lorenzo Vitturis Arbeit Dalston Anatomy wollte ich eine Fotoserie mit Stickereien konzipieren – und zwar mit Dessins, denen ich in den letzten 15 Jahren kaum Aufmerksamkeit geschenkt habe: die Stickereien Saint-Tropez Sunset und Magic Blue. Der Name der Fotoserie hat sich mir deshalb fast aufgedrängt: ALLES ANDERE ALS STILL. Et voilà!




Die Testphase fand in den Fotostudios der SFGB statt. Meine Requisiten habe ich teilweise von zu Hause mitgenommen und teilweise im Brocki gekauft. Gemüse und Früchte wurden frisch eingekauft. Für das eigentliche Shooting habe ich das Schlafzimmer kurzerhand in ein kleines Fotostudio verwandelt.
Ich mag die entstandene Fotoserie. Die Bilder sind alles andere als perfekt. Geschulte Augen sehen wohl einiges, was sie anders machen würden. Auch ich würde bei einem nächsten Mal – und das kommt bestimmt – einige Learnings umsetzen. Zum Beispiel die Kamera während der ganzen Serie immer am gleichen Ort stehen lassen. Das erleichtert die Bildbearbeitung immens. Oder die Früchte miteinander zu fixieren, sodass Unmögliches möglich wird.
Fürs Erste bin ich aber zufrieden und getraue mich, euch diese Fotos zu zeigen. Ich bin gespannt, ob sie euch auch gefallen. Der ganze Prozess hat mir unglaublich viel Spass gemacht. Schon vorher hatte ich grossen Respekt vor fotografischen Arbeiten – heute noch viel mehr. Denn inzwischen weiss ich, wie viel Überlegung, Geduld, Kreativität und Liebe zum Detail in einem einzigen Bild stecken können. Ob ich Fotografin werde? Wahrscheinlich nicht. Aber ganz bestimmt werde ich meine Kamera künftig öfter aus ihrem Dornröschenschlaf wecken.
Und hier noch ein paar Schnappschüsse, die ebenso unperfekt sind, aber meine Muse Luni ins ‚fast‘ perfekte Licht rückt ;)!



